windows 8.1 und der notstand

was haben böhmische dörfer und ein buch mit sieben siegeln gemein? genau. sie sind rätselhaft allgleich dieser komischen computerei. so hab ich denn heute mir ein kerzlein angesteckt. nicht die programme werden besser, ich hingegen gerate immer verblödeter. bin sozusagen eine zweibeinige laptop-drohne, die mit den besten absichten gestartet wird. aber nach der landung kann angesichts tsunami-gleicher kolateralschäden niemand mehr sagen, was eigentlich das ziel war.

sitz ich grad im halbdunkel vor dem, was mir der verkäufer weiland als schatz- und wunderkästchen verschmackhaftete. nun ja, schätze findest du eher selten und wunder erfasst mich bei jedem einloggen. was will es denn jetzt wieder von mir, das kästchen? dass im eigentlich ich was von ihm will – also bitte. im supermarkt gibt’s zwar schon lebkuchen, aber weihnachten haben wir trotzdem noch nicht.

der zuvor erwähnte verkäufer anempfahl mit das betriebssystem windows 8. sei besser als 7. erklärte mir auch warum, derweil ich mir selbst erläuterte, dass acht geeigneter als sieben sein müsse, da durch zwei teilbar. hat zwar, was ich zwischenzeitlich empirisch gesichert habe, mit dem system nichts zu tun, erschien mir damals indes als nachvollziehbar.

im nachhinein däucht mir sieben doch als idiotensicherer, wenn auch nicht als idiotensicher. aber in der hab-acht-stellung hab ich längst wurzeln geschlagen. trägt zwar keine früchte, aber ich komm nicht mehr raus.

da rodelte mir in spiegel-onlines netzwelt ein artikelchen ins gesichtsfeld. es stehe zu erwarten eine aufbesserung. windows 8.1, das sich durchaus beim guten alten sieben bediene. könne gleich hier heruntergeladen werden. wie massgeschneidert für mich, so las sich das. und herunterladen – im herunterladen bin ich vergleichsweise spezialist.

einen herunterlader später hatte ich alles verloren: fotos, texte, dokumente, musik. fort, perdu. war nämlich nur eine versuchs-ladung. vielleicht hab ich ja auf der festplatte, der externen was gesichert. kann sein. aber ach, das ausprobier-8.1 verweigert beharrlichst die übernahme. obwohl an stecker und verbindung nichts auszusetzen ist. eher schlüpfen bmw und mercedes durchs kartell-rechtliche nadelöhr, als ich ex- und internen computer-verstand unter einer kalotte bändige. und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte, auch das outlook ist seither beim teufel. mitsamt nicht ganz unwichtiger briefwechsel und intimster adressen. fort, weg, babbela.

seit einer schlaflosen nacht gibt’s jetzt die endgültige version von 8.1. sieht schön aus. nach geschätzten acht (!) stunden ist es mir auch gelungen, den favorisierten browser zu installieren. office dagegen bettelt weiter drum, erst komplett deinstalliert zu werden, ehe es sich neu niederlässt. wenn’s beim ersten mal nicht klappt, weil der weg zu lang ist, muss vor dem zweiten versuch erst wieder das erste teilstück deinstalliert werden. zwischen dem ganzen hin und her hab ich, um mal was zu sehen von meiner hände arbeit, den kühlschrank abgetaut, den ich jetzt aber nicht mehr auf die erforderliche temperatur bringe. die getränke gluckern lau den schlund entlang und office ist irgendwo verborgen im ewigen eis dieses wunder- und schatzkästchens. dass  ich es zu lebzeiten befreie, erscheint mir unwahrscheinlicher als eine oben-ohne-teilnahme wladimir putins an der christopher day-street-parade.

warum ich alles klein schreibe? irgendwo zwischen hoffnung und wahnsinn hab ich der taste fürs versale den garaus bereitet. und den garein finde ich nicht mehr.

 

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Ein Kommentar zu windows 8.1 und der notstand

  1. Olaf sagt:

    Mein lieber Veit, ich fühle mit Dir. Allein helfen kann ich Dir nicht. Aber vielleicht aufmuntern mit einem kleinen Aphorismus, dessen Quellenangabe nicht gesichert zu sein scheint.

    Computer sind hinterhältige, unberechenbare Kobolde aus dem digitalen Horrorkabinett – rechnen Sie immer mit dem Schlimmsten!

    Aus einem EDV-Handbuch

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