das ausspähen hat tradition

reinhold gehlen war generalmajor der deutschen wehrmacht im zweiten weltkrieg. leiter der abteilung fremde heere ost. seit 1937 mitglied der ss. nach dem zusammenbruch der nazi-diktatur und der befreiung deutschlands durch die alliierten kam er in amerikanische haft.

als sich das ende des tausendjährigen reiches abzeichnete, brachte gehlen die geheimdienstpapiere mit den erkenntnissen über die sowjetunion auf die seite. mit diesen papieren kaufte er sich nicht nur aus der haft frei. die amerikaner setzten gehlen auch als leiter der nach ihm benannten “organisation gehlen” ein aus der im 56er jahr dann der – ebenfalls vom ex-ss-mann und nsdap-mitglied gehlen geleitete – bundesnachrichtendienst (bnd) entstand.

gehlen füllte den personalbestand des geheimdienstes gerne mit alten kameraden aus der braunen zeit auf. wenn deren leumund durch beteiligung an verschiedenen verbrechen während des dritten reiches zu beschädigt war, besorgte ihnen gehlen mit unterstützung der amerikaner neue identitäten. die organisation und der bnd, so ergab’s eine aufarbeitung viele jahre nach der gründung, als die meisten betroffenen altershalber bereits ausgeschieden waren, war durchsetzt mit nazis, gerne auch aus sd, ss und gestapo.

gehlen pflegte beste verbindungen, zum beispiel auch in den vatikan, und bediente die amerikaner über viele jahre des kalten kriegs hinweg mit feinsten informationen.

warum der ganze sermon hier? um sich und seine kameraden um die nazi-vergangenheit herum zu mogeln, musste gehlen seine seele, die einst dem hitler-regime gehörte, erneut verkaufen. dieses mal an die amerikaner. glaub keiner, dass der fanatische anti-kommunist gehlen sich dabei auf die sowjetunion und ihre verbündeten beschränkte. es liegt auf der hand, dass der oberste spionierer der jungen republik den grossen bruder auch mit informationen aus dem inland versorgt haben dürfte.

und deshalb darf füglich festgestellt werden, dass die ausspäherei deutscher politik und personen nicht erst im internet-zeitalter begann. die hatte zu diesem zeitpunkt längst tradition und methode. nur, dass es damals halt noch keine handys gab.

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