die linke und die vergangenheitsbewältigung

Zwei facebook-freundinnen machen mich nachdenken. Aufgewachsen in der ddr die eine, familiär belastet die andere, lassen sie an der linken kein demokratisches haar. Als nachfolgerin der sed.

Jüngst, in einer der vielen talk-shows, wollten sie oskar, den lafontaine, anregen, die ddr als unrechtsstaat zu beschreiben. Er hat sich gedreht und gewendet, bis es mir zu blöd wurde. Ich hab mich rausgeschaltet. Weil: was denn anderes als ein unrechtsstaat soll sie denn gewesen sein, die ddr? Und weil deutsche ost wie west gerne auf vorbildlich machen, blieb diese ddr dem stalinismus länger verhaftet, als einige andere nationen des warschauer pakts.

als ich dem drum-rum-palaverer lafontaine so lauschte, da gratulierte ich mir, dass ich aus der linken so ausgetreten bin wie weiland aus der spd.

Dennoch, und damit zurück zu den freundinnen, mach ich mir geraum den kopf, ob die tatsache, dass der linken auch heute noch fahnenträger der ddr, funktionäre, informelle mitarbeiter aktiv angehören, zwangsläufig verlangt, die gesamte partei auf ewig gebrandmarkt abzulehnen.

Ich frag mich dann, ob die katholische kirche, der ich weder angehöre noch angehört habe, in bausch und bogen verurteilt werden muss, weil sie doch als nachfolge-organisation der heiligen inquisition, der conquistadoren, daher kommt. Ob ich die protestanten in der hölle ansiedeln muss, weil sie den gott anbeten, dem auch ihre glaubensbrüder unter der maske des ku-klux-klans zu dienen glauben. Ob ich sie in einen topf mit den homophoben, rassistischen, faschistischen christen-menschen stecken muss.

Sollte ich auch den bürgerlichen parteien, der justiz, der polizei, den schulen und universitäten, den verfassungsschützern und geheimdienstlern im demokratischen deutschland den rücken kehren, weil sie sich nach ’45 reichlich bedienten an der elite des nationalsozialismus. Selbst das jahrzehnt der autmuckenden töchter und söhne hat nicht viel gebracht. Auch ein auschwitz- oder majdanek-prozess nicht.

Einen einfachen reim hab ich mir – bisher – aus der befreiung von den nazi-klammern und dem einreissen der mauer gemacht: vergangenheitsbewältigung gehört nicht gerade zur vorzeige-beschäftigung im land der dichter und denker.

Ich beanspruche, mich in den deutschen faschismus und seine direkten folgen – studentenbewegung, bewaffneter kampf – einigermassen gründlich hineininformiert zu haben. Und ich erkenne, dass ich bei der aufarbeitung der ddr-vergangenheit schluderte. Ulbricht, honecker, mielke – real existierende drecksäcke. Aber nicht so schlimm wie goebbels, göring, himmler. Klar gab’s den knast in bauzen. Aber kein vergleich zu dachau.

Damit hab ich mich auf relativierung eingelassen. Und das darf nicht und nie passieren bei einer vergangenheitsbewältigung, die ernst gemeint ist. Unrecht bleibt unrecht, diktatur ist diktatur.

Die face-book-freundinnen haben erfahrungen gemacht, die ich nicht besitze. Aber ich verfüge auch nicht über unmittelbare erfahrungen in einem faschistischen verbrecher-staat. Warum also hab ich unterschiede gemacht? Warum die faust geballt wider die braune vergangenheit und gegenwart, den totalitären verrätern an der sozialistischen idee indes bestenfalls milde den vogel gezeigt?

Nachsicht hab ich walten lassen an der zur partei zusammengefassten linken. Weil ich halt überzeugt bin, dass es nicht geht ohne linke ideale. Die ich der partei zumindest nicht in gänze absprechen wollte. Aber wenn ich erkennen muss, wie schwer sich unbelastete marx- und engels-macher à la lafontaine mit dem wort unrechtsstaat tun, dann hämmert’s und zirkelt’s bei mir im geistigen dachstuhl: das kann doch wohl nicht sein.

Und doch kann ich mir einen restbestand an sympathie für die linke nicht abschminken. Weil’s halt linke sind. Wenn sich jedoch herausstellen sollte, dass der ramelow auch nichts anderes abgibt als einen realpolitischen macht-gernhaber, dann wird diese sympathie vollends zur gleichgültigkeit verdorren. Mindestens.

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