wir brauchen die contra-sager

Olaf hat einen Beitrag eingestellt:

Der Nachtwaechter hat eine Botschaft für euch:

“Parteien wie ‘Die Linke’”, sagte der Vorübergehende zu seinem so hoffnungsvoll erbosten Zeitgenossen, “die sich im politischen Establishment eingerichtet haben und ihre ihnen zugewiesene Rolle gefunden haben: Am Ort der Pfründe und der egoverstärkenden medialen Aufmerksamkeit den Ärger über das Unrecht der Geldherrschaft mit leeren Versprechungen zu kanalisieren, damit es auch ja niemals zu einer von den Mechanismen des Unrechts unabhängigen sozialen Bewegung kommt, die wirklich gesellschaftsveränderndes Potenzial entfalten könnte. Die Herrschaft des Unrechts entwickelt im Laufe der Jahrzehnte ihre Mechanismen, mit denen sie sich selbst stablisiert, ohne dass allzu viel geschossen werden muss. Wenn du wirklich noch glaubst, dein Gewähle sei relevant, grüß den Weihnachtsmann von mir!”

Sisyphos war ein in seine Illusion der Kraft verliebter Schwachkopf, der sich nicht darauf verstanden hat, den Göttern einen Stinkefinger nebst der Aufforderung “seht doch selbst zu, wie ihr den Stein da hochbekommt” entgegenzuschleudern. Und. Er hat sehr viele, die ihm auf dem gut ausgebauten Wegenetz der Dummheit nachfolgen.

begnadet geschrieben. genial verglichen. aber nur unter einer voraussetzung richtig: dass ich den staat, der unserer sein soll, als parteien-staat ablehne. solange ich das nicht tue – und ich tu es mangels einer alternative nicht – liegt nachtwaechter leider daneben.

was nachtwaechter beschreibt, gilt für alle parteien im system. die cdu hat, nur so als beispiel, ihren von klaeden, der zu mercedes scharwenzelt, aber nicht aus dem präsidium, so einer art s-klasse im parteigefüge, aussteigen will.

die fdp hat sich ins koma mövengepickt.

spd-steinbrück wird demnächst vor gut zahlendem publikum aus seinen belanglosen erfahrungen als stinkefinger-kandidat schwadronieren.

die grünen looser haben sich mit dem schönen pöstchen der bundestags-vize betäubt. und mit dem fraktionsvorsitz. der özdemir ist als bundesvorsitzender und bundestags-hampel das lebende beispiel für den abschied von der ämtertrennung. da bewies die gesamte fdp-vorstandschaft mehr charakter.

also, what shall’s, wenn der gysi besser geschnittene anzüge aufträgt als der kauder. was kümmert’s, wenn die wagenknecht und der lafontaine eher hummer bestellen als erbseneintopf. there’s no business like polit-business.

keine unterschiede folglich? union und sozialdemokraten machen sich grade einen reim. grüns (und schwarzens) bereiten schon mal den gemeinsamen beritt vor. wenn’s dem wähler gefällt, wird es 2017 nicht bei sondierungsgesprächen bleiben.  mit der adf kommen probleme auf uns zu und garantiert keine lösungen. die piraten schliesslich versenken sich selbst, noch ehe sie sich die krawatten binden.

verbleiben also die linken. klar tun die sich leicht, mit der forderung nach zehn euro mindestlohn. nach höchstlohn für verantwortungslose banken-fuzzis. mit der ablehnung deutscher beteiligung an angriffskriegen. und, und, und… wer einer regierungsbeteiligung kaum verdächtig ist, kann fröhlich fordern vom weichen gestühl der grössten kleinen oppositionspartei aus.

und doch: ohne die linken würde der diskussion in dieser unserer wohlfühl-republik was fehlen. der gegenpart. wie ernst er gemeint ist, lässt mir im augenblick kein haar ergrauen. ich als alter zocker wünsche mir, dass es auch contra-sager gibt. wenn auch offen ist, ob sie’s wenigstens aus dem schneider schaffen. wenn niemand ausdauernd gefordert hätte, gäb’s heute noch kinderarbeit und kein frauen-wahlrecht.

sollte dir am styling der einen oder anderen partei was nicht passen, steig ein, werd mitglied und fordere. lebte hermann scheer noch, zum beispiel, würde sich die spd jetzt garantiert nicht aus der energiewende winden. scheer hatte, um die griechische mythologie ebenfalls zu bemühen, sisyphos-arbeit geleistet. solange, bis der stein oben liegen blieb. (siebenmal darfst du raten, in welche partei ich eingetreten bin. trotz hermann.)

und wenn wir schon bei den heldensagen sind, sei auch an den prometheus erinnert, der den menschen das feuer gebracht und damit die belegschaft auf dem olymp vergräzt hatte. angekettet schnabelte ihm ethon tag für tag die immer wieder nachwachsende leber aus dem leib. solange, bis sich herakles auf prometheus’ seite schlug und ihn von seiner fessel befreite.

im übrigen danke ich aus überzeugung für den eingangs zitierten beitrag. weil wir nicht nur, um mal wieder mit diesen ausgelutschten worten zu spielen, nachwaechter brauchen. sondern auch machtwächter.

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter afd, cdu, csu, die grünen, die linke, fdp, gesellschaft, krieg, piraten, politik, spd abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu wir brauchen die contra-sager

  1. Olaf sagt:

    In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Einerseits ist mit vollkommen klar, dass es ohne Politik nicht geht, dass die Linke so notwendig ist, wie mein linker Schuh. Andererseits habe ich längst mein Vertrauen in die Politik verloren, was wohl weniger an der Politik an sich liegt, sondern vielmehr an den Köpfen, die sie machen.

    Und die Linke? Na ja, sie ist doch höchstens nur noch ein Hühnerauge in unserer Demokratie. Sie tut manchmal ein bisschen weh, hat aber sonst keine Aufgabe. Und nach der letzten Wahl hat sich das Volk jenes Hühnerauge eben auch noch selbst heraus operiert. Damit es auch weiterhin ungestört mit den falschen Schuhen in die verkehrte Richtung marschieren kann.

    Aber ja. Du hast natürlich recht. Wir müssen und sollten froh sein, dass es sie gibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.