endlich ein anschlag

altem brauchtum frönend, haben wir zum jahreswechsel mal wieder die zukunft als blei vergossen. Immer wieder erschienen beim tröpfel-zisch ins nackt-kalte wasser ist uns dabei das symbol für anschlag.

Will sagen: natürlich in bayern, wo sonst, wird er heuer endlich wahr werden, der seit jahren herbeigeredete alptraum vom terrorakt auf deutschem boden. Und damit sind nicht irgendwelche nazis gemeint – rechtsmotivierte anschläge haben wir derer so viele schon, die sind kaum noch empörter erwähnung wert.

Linke bösbuben werden es ebenfalls nicht gewesen sein. Zwar malt uns gelegentlich ein besorgt-ausgewogener volksvertreter den linksterrorismus warnend an die wand, aber ehrlich gesagt: die sind doch ziemlich abgelascht, die rest-anarchos.

Nein, wir bekommen endlich unseren eigenen, originalen IS-anschlag. In anerkennung unserer beteiligung – nicht nur – am krieg in und über syrien. Oder am blühenden globalen waffenhandel (was im prinzip das gleiche ist).

Diesem anschlag wird – alles was ab rechts von der mitte polit-kreucht und fleucht freut sich schon jetzt – ein hausgemachter anschlag folgen. Der auf unsere verfassungsrechte und gesetze. Die einschlägigen anschläger verschärfen im geiste schon jetzt.

Und keine sorge. Sollten die IS-krieger aus welchen gründen auch immer der unpässlichkeit anheim fallen, es wird trotzdem hinhauen. In die bresche springen könnten zum beispiel die auferstandenen bombenjungs der pkk. Die werden ganz schön zulauf bekommen, nachdem europa im allgemeinen und deutschland insbesondere ihrer binnenpolitik wegen adolf erdogans kurden-jagd durch stillschweigen sanktioniert haben.

Also gut, ich bekenne: die hierher geholperten zeilen könnten als anschlag auch auf den guten geschmack geschmäht werden. Aber zu zeiten, in denen nicht nur pöbelisten, sondern auch unsere – nolens volens – volksvertreter sich und dem verdummten publikum mit der geistigen knarre im anschlag gefallen, muss das erlaubt sein. Schere im kopf ist was für gute zeiten.

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sei’s drum

Was
wenn ich ins vergebliche schreibe
ins – kaum notiert –
verbleichende
dort
wo verloschenes licht
nicht wahrgenommenem
den schatten raubt?

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Wir lassen uns unsere Krise nicht nehmen


„Wir zerbrechen uns den Kopf über die psychischen Folgen, die es für ein Kalb hat, wenn es zu früh von der Mutter getrennt wird, während wir zugleich behaupten, das Töten von Kindern im Nahen Osten sei eine vom Völkerrecht gedeckte Kriegshandlung. Die Empörung über das Leid, das Hühnerküken angetan wird, ist riesig. Doch angesichts von menschlichem Elend zucken wir mutlos mit den Schultern. Ist nicht schön, sagen wir, aber was soll man machen, war leider schon immer so im Nahen Osten.“

Elisabeth Raether / Die Zeit

 

Es weihnachtet. Sehr. Immer noch reden wir von Flüchtlingen. Und der damit einhergehenden Krise. Es ist – gefälligst – unsere Krise. Nicht deren. Wir lassen uns unsere Krise von denen nicht nehmen.

Ein Sonderschullehrer bestand im Gespräch zurecht darauf: „Es gibt keine „Behinderte“. Es gibt nur behinderte Menschen.“ Geflüchtete, in die Flucht getriebene, verjagte, vefolgte Menschen kennt der aktuelle Sprachgebrauch nicht. Allenfalls vertriebene Menschen. Die kommen in der Regel zwar aus dem Osten, aber nicht dem Nahen. Sie pflegen ihre Flüchtlingskrise häufig in des Wortes mehrfachem Sinne ebenso wie unter nationalem Gesichtspunkt. Wobei „national“ auch die theologische Orientierung, die Hautfarbe und die präferierte Kopfbedeckung umfasst.

Die Nationalsozialisten, beschreibt der Historiker Timothy Snyder, propagierten dasUnmögliche, um nach dessen Scheitern das Radikale, das Entsetzliche, das Undenkbare zu realisieren: Die Idee, alle in Europa lebenden jüdischen Menschen in Madagaskar anzusiedeln, blieb unverwirklichte Idee. Woraus die Nazis das Recht ableiteten, diese Menschen zu ermorden. Millionenfach, Mensch für Mensch, schritten sie verwirklichend zur Tat. Weil anders nicht zu verhindern sei, dass der jüdische Bolschewik dem deutschen Herrenmenschen Geld, Land, Nahrung und kulturelle Werte raube. Die ganze Luft zum Atmen, quasi.

Aus Statistiken, aus semantischen Ableitungen solcher Begriffe wie „Obergrenzen“ oder „Reduzierung der Zugangszahlen“, aus Zahlen leiten Politik und Gesellschaft der Gegenwart das Scheitern der Idee von einer an humanitären Gesichtspunkten ausgerichteten Aufnahme geflüchteter Menschen ab. Es darf kein bisschen mehr sein. Und daraus ergibt sich das Recht, die geflüchteten Menschen zurückzuvertreiben. Ins Elend, ins Ungewisse, in den Tod. Weiter weg als unser Auge und unser Es-Wissen-Wollen reichen.

Noch hat uns keiner gesagt, auf welches Loch der Gürtel enger geschnallt werden muss, wenn Menschen, die zur Wahl zwischen Tod und Flucht gezwungen werden, auch im nächsten Jahr heerscharenweise um Einlass bitten. Schäuble glänzt haushalts-immernoch im Schein der schwarzen Null. Aber schon droht Seehofer mit der ewigen Solidaritätsabgabe, der Flüchtlingsmenschen wegen. So wurde weiland Stimmung gegen die Menschen aus dem Ossi-Osten gemacht. Dann muss das doch auch mit denen aus dem Morgenland-Osten hinhauen… Unterschwellig, heimtückisch und gemein. So machst du den Menschen zum Fest ein schönes Feind-Geschenk.

Ebenfalls erklärungsbedürftig, die Sache mit dem Familiennachzug. Wie kommt’s, dass Frau und Kinder dorten in Sicherheit sind, wenn es der Vater hier ist? Woher wissen die Schlächter des Islamischen Staats, wie erkennen Assads Schergen, dass sie diese Familie verschonen müssen, weil der Papa als Fluchtmensch im deutschen Winter friert und dass sie jene aber fröhlich metzeln dürfen, alldieweil die bevatert ums bisschen Leben bibbert. – Sie wissen es nicht. So wie es auch die Hand am Joystick nicht weiß, die die westliche Drohne übers zivile Krankenhaus steuert.

Ach ja. Es weihnachtet. Sehr und sehr vorübergehend. Wie schön, dass es Konstanten gibt, die den zweiten Weihnachtsfeiertag locker überstehen. Auch den im nächsten Jahr. Im übernächsten. Und sowieso.

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nicht die werte sind bedroht sondern die menschlichkeit

so viele vertriebene menschen. wir reden nur noch in den masseinheiten der massen. zwischendurch halt das kotzübelnde foto einer angeschwemmten kinderleiche. dann greifen wir wieder in den wortschatz der masslosigkeit.

deutschland ist überfordert. nicht mit der aufnahme geschlagener und getretener menschen. sondern damit, all dem unsinn, der darüber ausgeleert wird, zu begegnen. nicht die nation mit ihren werten ist bedroht – die menschlichkeit ist’s, der es an den kragen geht.

aber bleiben wir mal bei den werten. um welche werte eigentlich geht es denn? um die, dass wochenendweise fast so viele menschen in irgendwelche fussballstadien stürmen dürfen, wie dieses jahr zu uns flüchten? und dass diese menschen, in der verteidigung ihrer (fan-)kultur, wochenende für wochenende durch tausendfachen polizeieinsatz daran gehindert werden müssen, bei der ausübung ihrer (streit-)kultur mehr als nur ein paar nasenbeine zu brechen? wobei diese polizeieinsätze – sportmuffel hin oder her – freundlicherweise von uns allen bezahlt werden.

oder der wert, dass der am angesehensten seine rolex auftragen darf, der die meisten steuern spart oder sich gar mit ausgebuffter schläue drumrum schummel-bescheisst? warum auch steuern zahlen? die theater und museen sind so gut ausgestattet, dass wir denen das geld schon wieder streichen können. schulen und kindergärten haben wir so unbegrenzt, dass wir kaum mehr welche bauen oder gar bezahlen und in den krankenhäusern reduzieren wir das personal patienten-zu-tode. was also soll der quatsch: steuern zahlen, als wertschätzung dessen, was wir bekommen. steuern bezahlen ist was für arme schlucker, staats-idealisierende dummköpfe und weicheier. und die paar knäste, jugendgefängnisse und ausländer-kasernen, die der staat noch braucht, damit ruhe herrscht im land – die mittel holen wir uns aus’m entwicklungshilfe-etat. der spielt nämlich eh keine rolle. zur bekämpfung der – achtung, mein lieblingswort – fluchtursachen in den ursprungsländern jedenfalls brauchen wir den nicht. is‘ ja eh noch nie gemacht worden.

also, welche werte? die, dass eingeborene und zahlende zugereiste (keine flüchtlinge!), die sich als einheimische verkleiden, jahr für jahr von der alm getrieben werden, damit sie sich auf dem oktoberfest und vergleichbaren kulturellen höhepunkten volllaufen lassen können? befürchten wir tatsächlich, dass diese wunderbaren krachlederer von jenen heidnischen flüchtlingen glaubenswert-mässig umgedreht werden, der askese verfallen und statt auf wies’n wie wasen fürderhin gen mekka ziehen?

dann etwa doch die werte unserer oft und gerne zitierten humanisten? die von freiheit, toleranz, mitgefühl und miteinander zeugen? keine sorge: zu deren entwertung braucht’s keinen menschen aus syrien und auch keinen heimtück vom balkan. das besorgen wir schon selbst. nicht nur, wenn häuser brennen wie weiland die bücher. das fängt schon an, wenn wir aus menschen zahlen machen und aus schicksalen statistiken. mit jedem „ja, aber“ – ob in der prominent besetzten talk-show oder am endzeitstimmungs-umwaberten stammtsich ausgestossen – kratzen wir am humanistischen lack. der indes war und ist zugegebenermassen oft eh nur tünche über brauner grundierung.

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es gibt ja keine nazis

„ich bin ja kein nazi“… natürlich nicht. es gibt nämlich keine nazis. es hat sie damals schon nicht gegeben. „nazi“ – das ist eine erfindung. eine intelektuelle fata morgana linker spinner und historiker.

„unser vok ist zu gross. unser land ist zu klein.“ deshalb können wir keine flüchtlinge aufnehmen. keine asylbewerber. schon gar keine menschen, die nicht deutschen geblüts sind. vielleicht als fremd-arbeiter? aus noch zu eroberndem lebensraum? aber fremd-arbeiter, eroberung und lebensraum sind was für nazis. und nazis gibt’s ja nicht.

dann ist da der oberbürgermeister von erfurt, andreas bausewein. der will die kinder von flüchtlingen und asylbewerbern aussperren. aus den schulen. natürlich nicht, damit diese menschen gewalttätig und kriminell werden und nebenbei dumm bleiben. aber weil das schulwesen-boot jetzt schon voll ist. bausewein ist kein nazi. er ist bei der spd. sogar als landesvorsitzender.

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heil hitler, herr tischnachbar

Er sitzt beim italiener. bestellt sich eine „piddsa fruddi di marie“. für seine frau eine „ruschdika“. grölt über zwei tische hinweg, dass da ein gewaltiger unterschied sei. Zwischen den flüchtlingen heute und denen, die am ende des letzten weltkriegs in unsere haushalte zwangseingewiesen wurden. „moment mal, das waren deutsche.“ – heil hitler, herr tischnachbar. Sollst dich an deiner fruddi di marie verschlucken.

Sollte es den schwätzenden, ausweichenden, ablenkenden polit-menschen doch ernst sein? Mit der bekämpfung der fluchtursachen in den ursprungsländern? Anders ist es nicht zu verstehen. dass nämlich ein aufschrei durch die welt ging. der ttip, syrien und selbst griechenland auf die zweite seite rückte. Als nestlé und co. den vorhang lüfteten. Den blick freigaben. Auf ihre pläne zur privatisierung des wassers. zum beispiel auf dem afrikanischen kontinent. Denn wenn die wahr würden, diese pläne: das gibt einen, zwei, viele flüchtlings-tsunamis. Da würdest du dich sehnen nach einer welle.

Aber ach. Der der aufschrei war nur ein traum. Ein wunschtraum. Der albtraum vom wasser im privatbesitz dagegen wird wahr werden. Du müsstest ja ein ganzes über- und verkommenes weltwirtschaftssystem beerdigen, wolltest du das verhindern. Und wer will das schon? Der, der macht und sagen hat jedenfalls nicht. Andererseits: zum verhungern braucht der mensch drei wochen. Zum verdursten nur drei tage. Insofern hätte so eine privatisierung durchaus was humanes. Und was praktisches. In drei tagen kommt so ein flüchtling nicht mal bis ans mittelmeer.

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himmlisches ikea und irdische machtversessenheit

eigentlich glaub ich ja nicht, dass es den himmel gibt. aber falls doch, stell ich ihn mir als riesengrosses ikea-regal vor. damit behält der liebe gott den überblick und seine ruhe. ins eine fach kommen die christen, ins andere die muslime. dort die weissen, hier die seelen der schwarzen. und so weiter. und weil sich für billig geld noch zwischenböden einziehen lassen, sind diese fächer in sich unterteilt. für die fundamentalisten unter den christen diese, für die liberalen unter ihnen jene. dieses system „hosiannens“ gewährleistet, dass droben der hackel von drunten keine fortsetzung findet. – petrus verfügt an der pforte über ein eigenes system. für die einreiseberechtigten ohne hinderliche abschiebe-rückwand und für die asylbewerber mit.

von petrus zu gabriel. lass‘ ich einen zu wort kommen, der das schon vor über 50 jahren besser konnte: „man quält mich, ich soll mal einen positiven witz über die cdu-regierung machen. also gut: sie regieren sozialdemokratisch. mehr hab ich nicht drauf. und wer nicht haargenau wie die cdu denkt, fliegt glatt aus der spd.“ wolfgang, der grosse neuss, hat’s gesagt.

apropos wirtschaftsminister. da fällt unsereinem doch flugs auch der kollege finanzen ein. wenn der gabriel deutsche waffenexporte – in diesem fall – nach griechenland untersagen würde, stünde der hellenische haushalt schon ein bisschen hustenfreier auf dem papier. aber so weit will grexit-schäuble dann wohl doch nicht gehen. zum frommen jedes nationalen unternehmens drehen wir den griechen alles an – auch wenn es das letzte ist, das sie brauchen.

im freistaat bayern soll’s kein atom-endlager geben, dafür indes rüsten sie kasernen jetzt zu turbo-abschiebelagern für menschen vom balkan um. bayern ist ein schönes land. wenn man sich die bayern mal wegdenkt. oder zumindest die csu. auf alle fälle aber den herrn seehofer.

baden-württemberg hat auch ein paar schöne fleckchen. der seehofer dieses bundeslandes heisst kretschmann und zahlt seinen mitgliedsbeitrag an die grünen. wenn er wiedergewählt wird, hat er jetzt angekündigt, macht er weiter. sucht sich das volk einen anderen, hört er auf mit der politik. letzteres wäre jetzt nicht allzu bedauerlich. und insgesamt beschreibt der vorgang, was unter dem netten wörtchen „machtversessen“ zu verstehen ist.

der deutschen bank droht eine strafe von bis zu vier milliarden euro. für ein paar verstösse gegen das iran-embargo und ein bisschen geldwäsche in moskau. vielleicht werden’s auch nur hundert millionen. dass die deutsche bank deswegen künftig auf geschäfte verzichtet, die die reichen reicher und die armen ärmer macht, glaubst du wohl selbst nicht. die weissen kragen werden nur besser aufpassen. und droben im himmlischen ikea-regal wird der liebe gott wohl ein paar fächer speziell für banker freihalten.

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wenn bürgers sich barrikaden errichten

wenn ich auf informellem streifzug durch die gegend-wärtigen zeitungen mich befinde, bleibt mir zu letzterer zeit was hängen, oberstübchenorts: bürgers wehren sich mal wieder. zumindest, wenn es um windräder und asylbewerber geht. genauer gesagt, sie wehren sich dagegen.

für 3000 euro den quadratmeter, klagte jüngst einer, habe er sich einen bauplatz gekauft. und den dann für unbekannt viele stecken bebaut. vermutlich aber durchaus repräsentativ. weil er sich nicht mit mietzahlungen belasten wolle im alter. und jetzt gedenke die kommune, vertreten durch bürgermeister und gemeinderat, im nebenan ein asylbewerberwohnheim einzurichten. man möge allein den wertverlust der immobilie sich ausmalen.

in solchen kategorien indes gebricht’s mir an phantasie für die ausmalerei. ich frag mich nur, von welchem quadratmeter-preis an ein asylbewerberwohnheim überhaupt akzeptiert werden muss.

andern-naheorts befürchtet eine anliegerin neidhammeleien der sachbeschädigenden art, wenn so einen asylbewerber ihren glanz-gewichsten mercedes auf der strasse stehen sieht. wär eine parkreihe voller opel dagegen wohnheim-kompatibel?

wecken lässt sich bürgers zorn, wie bereits angedeutet, auch gerne durch die ankündigung, irgendwo auf der höh ein windrad nicht nur zu errichten sondern im anschluss auch noch in betrieb zu nehmen. oder zwei. oder mehr.

wir leben innerhalb der 50 kilometer-zone um ein atomkraftwerk. wenn das mal in die binsen geht, werden sie unsere schöne heimat ein paar hundert jahre meiden. zwecks der strahlenden strahlung. juckt indes kein schwein. aber so ein windrad – da bauen sich bürgersfrau und –mann die barrikaden im zweifelsfall selbst, um anschliessend auf dieselben zu gehen.

ausgleichend wie ich nun mal bin, empfehle ich einen kompromiss. das wörtchen „heim“ im asylbewerberheim kommt ja – vorsichtig formuliert – eh beschönigend daher. hängen wir die künftigen bewerber doch gleich an die windräder. in hängematten, versteht sich. wir sind ja keine unmenschen.

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meinungsfreiheit und selbstverstümmelung

Artikel 5

(1)   Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. …

ein bekannter, beruflich im – sagen wir mal – bereich verkauf und vermittlung unterwegs, hat kürzlich geklagt: als selbständiger kannst du dir keine eigene meinung leisten.

bei einem freund hat einer in die kommentar-spalte geschrieben: als gastwirt müsse er mit seiner eigenen meinung hinterm berg halten.

der stellvertretende liegenschaftsamtsleiter im rathaus einer mittleren grossen kreisstadt, der kassier in der führerscheinstelle im landratsamt, der hauptabteilungsleiter im ernährungsministerium – von ihnen und ihren kollegen kennen wir den entschuldigenden satz nebst dem verständnisheischenden augenaufschlag schon geraum: „ich kann nichts sagen, ich bin beamter“.

aber es nimmt halt zu.  der mercedes-mitarbeiter aus der mittleren management-ebene wird den teufel tun und mal farbe bekennen. es könnte ihm ja beruflich schaden. und dort, wo wir uns im bereich gesellschaft bewegen, wird’s ganz herb. hinter vorgehaltener hand oder auf’m weinfest nach der fünften probe wird schon mal klartext geredet: über verwaltungs-willkür, ausgebrannte lehrer, durchgeknallte nachbarn. aber um himmels willen nicht laut sagen: ich bin drauf angewiesen, die kinder müssen morgen wieder zur schule, wir wollen weiter in dem frieden leben, den wir uns so adrett zurecht arrangiert haben.

schwanz-einziehen wird zur staatsbürgerlichen selbstverpflichtung.

auch das bunte völkchen der journaille schleift täglich die schere. die, die im eigenen kopf angesetzt wird. kommentare, so sie überhaupt noch geschrieben oder gesprochen werden, werden – ein widerspruch in sich – an der sogenannten ausgewogenheit gemesslattet. im gegenzug spielt diese ausgewogenheit dort, wo sie dringend angesagt sein müsste: in der berichterstattung nämlich, eine immer stärker vernachlässigte rolle.

und jeder, der sich seiner meinungs-eier entledigt hat, findet gründe, die mit ihm selbst so gar nichts zu tun haben: die umstände, die grosswetterlage, die gesellschaft, die politik. tot-schlagworte. bei näherer betrachtung so substanzlos wie rotwein aus dem tetra-pak.

glauben wir denn, dass es sich besser bestellen wird um die meinungsfreiheit, wenn wir diese freiheit in einem akt von selbstverstümmelung beschneiden? sollte es tatsächlich zutreffen, dass die politiker genauer auf uns hören, wenn wir schweigen? werden diskussionen gehaltvoller, wenn wir ihnen unsere argumente entziehen?

die freie meinungsäusserung ist ein recht, keine pflicht. einverstanden. aber wenn wir uns nicht selbst verpflichten – wenigstens gelegentlich -, unsere meinung in allem nötigen respekt und mit aller angesagten deutlichkeit zu formulieren, dann wird’s bald auch mit dem recht nicht mehr weit her sein. dann wird die freie meinung zum minderheitsrecht der mächtigen. sollten wir das dann überhaupt noch schnallen, werden wir ohnmächtig jammern: warum nur? wir haben doch gar nichts getan.

eben.

(übrigens: der freund, dem der gastwirt mit der auto-kastrierenden gleichgültigkeits-attitüde ins buch geschrieben hat, ist einer der vorbildlich offenen und hörbaren. meine verehrung, joannis.)

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sandsack griechenland

joannis, der freund, hat es vor ein paar tagen noch einmal in aller unwiderlegbaren kürze zusammengefasst: wir existieren in einem system, in dem die geld-mächtigen ihre gewinne privatisieren und ihre verluste verstaatlichen.  das heisst: wir löffeln die suppe aus, die uns andere – mit oder ohne unsere zustimmung – eingebrockt haben. in unüberwindlichem abstand zu den fleischtöpfen übrigens.

so. und jetzt haben wir griechenland. ich hab mich eigentlich nie drum gekümmert. aus geistiger faulheit und weil ich früh das gefühl hatte, dass bei diesem thema die öffentlichkeit eh nur an der nase herumgeführt wird (um das verb manipulieren mal aussen vor zu lassen). wie es den bankern, bossen, politikern und auflagen- und einschaltquoten-polierern halt grad so in den kram passt.

mein informationsstand hat sich seither nicht wesentlich verändert. aber mir fällt was auf: wieder einmal führt eine sündenbock-diskussion, die kaum einer mehr blickt, zu einer generalverurteilung. griechische politiker, griechische minister, griechische rentner, griechische steuerzahler, griechische steuerbetrüger, kurz und der einfachheit halber: ein ganzes volk, stecken in einem sack und die prügel ein, die im namen eines europäischen nationalismus austeilen darf, wer grad sein mütchen kühlen will.

dieser vorgang ist nicht neu. wenn du dein volk ablenken willst von den eigenen schwächen,  wenn  du ruhe benötigst auf der eigentlichen politischen baustelle und von ihr ablenken willst, wenn du als der/die grosse mit der klaren kante dastehen willst, so lernt es der homo politicus schon in den kindertagesstätten seiner ortsverbände,  dann gib volkes stimme eine minderheit und der die schuld. sie kann sich dann so schön entrüsten und an dieser art sandsack austoben.

„bashing“ ist wohl das nicht mehr ganz neue wort dafür. die methode an sich ist faschistoid. und zum kotzen. weil sie immer noch funktioniert und weiterhin den schlechten eindruck vom bürgersmann bestätigt, den weiland der lateiner franz-josef strauß in vier worten zusammenfasste: „vox populi – vox rindvieh“.

übrigens: in ungarn mutiert eine demokratie gerade zur diktatur. die rechte, die freiheit, die würde von menschen – vielbesungene auch europäische und abendländische errungenschaften der aufgeklärten – sind bedroht und bereits beseitigt. wieviel aufmacher und kommentare hast du dazu in letzter zeit gelesen und gehört? wieviel talk-shows gesehen? welcher politiker hat in aller deutlichkeit worte gefunden? eben. im schatten griechenlands lässt es sich gut braun werden.

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